Skate-Team-Flensburg
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Als wir am Sonnabend früh auf die Anlage fuhren, erwartete uns eine große, bunte Zeltstadt.
Auf der einen Seite der Bahn standen zahlreiche Iglos und ähnliche Behausungen, die vielen Sportlern aus dem "nord"deutschen" Raum als Wochenendunterkünfte dienten und auf der anderen Seiten Pavillons, die für den Tag vor Sonne, Wind und/oder Regen schützen sollten. Dass Thüringen oder Sachsen, die etwa auf der Höhe von Hessen liegen, zum Norden gehören, war für uns erst auch ungewohnt, aber ohne die Sportler aus diesen relativ südlichen Regionen wäre es bei den "Norddeutschen" doch wesentlich langweiliger - sportlich und menschlich gesehen.
So viele Menschen waren sicher noch nie auf der Anlage gewesen und alles wirkte fröhlich und turbulent. Nach dem Aufbau unserer Pavillons standen erst einmal die Begrüßungen der vielen Bekannten an und dann ging es ans Rennanzüge anziehen, Nummern anbasteln usw.
Es fielen immer die gleichen Fragen: "Wann bin ich dran? Welche Strecke muss ich laufen? Muss ich den Lichtschrankenstart machen?" Und, und, und. Furchtbar viel Zeit nehmen bei den Norddeutschen Meisterschaften immer die Einzelläufe in Anspruch. Dieser Wettkampf ist der einzige, bei dem die Strecke auch von den Senioren gelaufen werden darf. Offensichtlich wollen die auch nicht drauf verzichten. Der erste, der seinen Einzelstrecke über 200 m lief, war Kristian Nielsen. In diesem hochkarätigen Feld reichte es nicht für einen Treppchenplatz, aber die Abstände zu dem 3. Platz bewegten sich zwischen den nachfolgenden Sportlern im hundertstel Sekundenbereich, so dass Kristian, der wegen seines Keuchhustens lange ausgefallen war, ganz zufrieden sein konnte.
Die Jüngeren sollten keine Einzelläufe absolvieren. Sie hatten mit ungewohnt großen und hochqualifizierten Starterfeldern zu tun und die Devise konnte nicht "Treppchen" sein, sondern nur so gut wie möglich mitzuhalten. Davor stand auch noch das Problem, sich überhaupt an den Start in so großen Feldern und die Nähe der anderen Sportler zu gewöhnen.
Kristine und Finn mussten für ihre Sprintrennen über 100 m sogar Vorläufe absolvieren. Sie konnten sich in den Feldern zwar gut behaupten, aber es reichte jeweils nicht für den Einzug ins Finale, in das nur die jeweils ersten und die 2 Zeitschnellsten einziehen konnten. Da fehlt auf jeden Fall noch die Erfahrung, wie ein Rennen überhaupt angegangen werden muss und natürlich fehlen hier auch die Übungsmöglichkeiten, die viele Vereine schon auf Grund ihrer großen Sportlergruppen und der Wettkampfanlagen haben.
Lars musste nicht in den Vorlauf und hielt sich in seinem 200m Rennen gut.
Dann waren die Senioren dran und ich sollte als einzige 50'erin mit den 40'erinnen starten. Der Start ging so, aber trotz des starken Gegenwindes lief es hervorragend und ich lief persönlichen und sogar deutschen AK-Rekord. Patty erwischte eine Bö, die auf der Gegenseite ein paar Pavillons abheben ließ, und kam dadurch in der Kurve aus dem Gleichgewicht, lief aber insgesamt ein sauberes Rennen. Und Holger, der kein ausgesprochener Sprinter war mit seinem Lauf ebenfalls zufrieden.
Kristian begeisterte seinen Verein in seinem Ausscheidungsrennen über 2.000 m. Atemberaubend war die letzte Ausscheidung, als Kristian die Kräfte verließen und ein Sportler aus Dessau das bemerkte, herankam und in der Zielkurve zum Überholen ansetzte. Holger schrie sich die Kehle wund und Kristian mobilisierte seine letzten Kräfte, als er den anderen neben sich sah, gab noch einmal Gas und kam vor dem anderen über die Linie. Der schied als letzter aus, Kristian blieb im Rennen und hielt auch noch die letzten 2 Runden durch. Hinterher stellte sich heraus, dass ihm gar nicht bewusst gewesen war, dass der Dessauer der letzte Läufer der Gruppe war. Mit dem Kampf um die Treppchenplätze hatte Kristian nichts mehr zu tun, aber er hatte es geschafft - im ersten Ausscheidungsrennen seines Lebens war er unter den letzten 5 geblieben. Eine große Leistung, die auch von Sprecher Uwe Berg lobend erwähnt wurde. Als erstes gratulierte Kristian dann Nicki Marten von den Halstenbekern, der vor ihm durch das Ziel gegangen war.
Dann kamen die hochkarätigen Rennen, da sind besonders die Aktivenrennen zu erwähnen, super besetzt mit Europameisterin Jana Gegner aus Berlin und der Bronzemedaillengewinnerin der letzten EM, Tina Strüver aus Halle.
Dann kam die Tony-Show. Tony Deubner aus Eisenach ließ sich im Punkterennen erst einmal fast ganz nach hinten fallen, um dann nach ziemlich schnell ins Vorderfeld vorzufliegen und dann an allen vorbei. Bei diesen enormen Beschleunigungen behält er die Arme auf dem Rücken verschränkt, nestelt von Zeit zu Zeit an seinem Helm und guckt völlig gelangweilt. Manchmal ließ er sich wieder zurückfallen, um dann plötzlich wieder vorne aufzutauchen, manchmal alleine vor dem Feld, manchmal zusammen mit Michael Rühling aus Gera. Einen Augenblick weggeguckt und man musste ihn erst einmal wieder an unerwarteter Stelle orten. Leider waren andere Spitzensportler, wie Nico Wieduwilt und Marco Kessler aus Gera nicht am Start, mit ihnen hätten die Rennen natürlich noch würziger sein können. Für Spannung bei den Nordlichtern sorgte stattdessen Nicki Pust, der immer wieder nach vorne lief und sogar den 5. Platz erreichte. Den Kadersportlern, wie Tony, Jana, Tina, Franzi, Michael Rühling und vielen anderen muss man hoch anrechnen, dass sie den Weg in den Norden nicht gescheut hatten, weil am Sonntag in Einhausen, Hessen, die Deutsche Marathonmeisterschaft ausgetragen wurde. Einige wenige reisten nach den Wettkämpfen dann auch gleich weiter nach Süden.
Leider war der Tag sehr kalt und windig und wir mussten immer wieder die Pavillons sichern. Die Kinder waren erst wieder sehr spät an der Reihe. Erst skateten und spielten sie viel zusammen und nutzten das schöne Gelände, doch dann wurde der Tag sehr lang und sie wurden müde.
Als sie dann endlich dran waren, waren sie doch nicht mehr so richtig fit. Kristine stürzte am Start, rappelte sich aber trotz ihrer Enttäuschung wieder auf und holte einige Läuferinnen ein. Mit ein wenig mehr Erfahrung und etwas früher am Tag wäre sicher ein guter Mittelfeldplatz drin gewesen, und das wäre bei dem Starterfeld schon sehr gut gewesen. Kristine war sehr traurig, was gar nicht nötig war, denn sie war sehr gut gelaufen, hatte weitergekämpft und gegen Sturz ist niemand gefeit. Ein anderes Mal gibt es eine neue Chance.
Finn hielt in seinem 200 m Rennen gut mit, die Strecke ist aber noch zu kurz, um ihm Gelegenheit zu geben, sich nach dem Start zu berappeln und sich nach vorne zu kämpfen. Lars hatte 1.000 m durchzuhalten und das war bei dem Wind dann doch nicht so einfach. Er ließ sich aber nicht abhängen. Bei ihm - wie auch bei Kristine - muss man auch berücksichtigen, dass sie noch nicht lange Speedschuhe fahren, und dass besonders Lars, der auf die Schnelligkeit seiner Beine setzt und immer mit viel Einsatz skatet, das Gleitpotential der Schuhe noch nicht genügend nutzen kann. Das wird aber kommen und dann werden Lars seine schnellen Beine wieder richtig zustatten kommen.
Wir Senioren hatten dann noch die 1.500 (Damen) und die 3.000 m (Herren) zu absolvieren und aus meiner Sicht war es ein schönes Rennen. Die Bahn und meine Schuhe und Rollen waren perfekt, ich fitter als ich gedacht hatte, und weil keiner aufschloss, lief ich zwischen der Führungsgruppe der 30'er (mit Katha Berg, AK 40) und der Gruppe der 40'er 5 Runden alleine. Es war herrlich, denn wo sonst kann man das Skaten auf seine persönliche Weise mal so richtig genießen, als auf einer sauberen Bahn. Kein Geholze, keine Steine und Unebenheiten. Da kann man so richtig schnell gleiten. Die Schiedsrichter hatten entschieden, dass auch die einzeln antretende AK-Läufer extra gewertet würden und so war ich vollkommen frei, richtig loszulaufen. Mehr als die Goldmedaille war mir das Lob für meinen Laufstil wert - sogar von guten Läufern und von Eisschnellläufer David Schussmüller aus "unserem" Hamburger Eislaufteam.
Holger kam auch sehr gut vom Start weg, führte das Feld die ganze Zeit, weil er sich geschworen hatte, nie wieder ein Bummelrennen mitzumachen und wurde, wie erwartet, kurz vorm Schluss abgezogen. Aber in unserem Alter ist es viel wichtiger, für sich gut zu laufen, als zu taktieren, um irgendeine bestimmte Platzierung zu erreichen. Das gilt in einem gewissen Umfang allerdings auch für die Kinder. Durch Mut zur Führungsarbeit kann man sich Anerkennung erarbeiten, die einem weiterhilft, auch wenn einem deshalb die Kräfte für einen Treppchenplatz fehlen. Außerdem entwickelt man sich nur so weiter und nicht dadurch, dass man sich nur im Windschatten ausruht, um im letzten Moment vorbeizusprinten.
Der Abend war sehr spät zu Ende und müde und durchgefroren kamen wir nicht vor halb elf ins Bett. Trotzdem waren alle außer Patty, die sich am Vortag bereits verabschiedet hatte, weil es ihr nicht gut ging, rechtzeitig wieder vor Ort.
Das Wetter besserte sich enorm, und die Sonne beschien als erstes die Rollgewandheitsläufe der Kinder. Hier muss man sagen, dass es bei allen vor allem am Rückwärtslaufen haperte. Im Training sind die Kinder dafür nur schlecht zu motivieren, vielleicht hilft ja der Vergleich mit den guten und schnellen Kindern besonders der großen Ostvereine. Lars lief wie immer sehr überlegt, während Finn wegen seiner Aufregung nicht so gut wie im Training war. Beiden fehlte aber das Tempo, ein Punkt, der auch bei Kristine trotz des insgesamt guten Laufs ein besseres Abschneiden verhinderte.
Damit waren die Kinder fertig. Wieder sahen wir sehr interessante Rennen und wie am Vortag konnten bei den Junioren besonders die Leistungen der Halstenbeker Jungs wie Sören Harder, Phillip Kozalla, Philipp Marten und anderen begeistern. Besonders Sören lief immer wieder nach vorne, gestalteten die Rennen mit und ernteten viel Anerkennung. Als Sören als letzter Läufer dann doch ausschied, war das sehr schade, tat dem Applaus für ihn aber keine Abbruch.
Im Aktivenrennen waren es dann neben Tony vor allem die Halstenbeker, die für Stimmung sorgten. Thorben Woelki, ging immer wieder nach vorne und riss uns alle von den Stühlen. Christian Gerhardt war auch immer im Vorderfeld dabei und Nicki Pust schaffte es sogar, unter die letzten 5 zu kommen. Nach diesem Lauf waren wir alle heiser.
Als Anke Koplin aus Halle vor meinem 3.000 m Lauf meinte, "dieses Mal läufst Du aber mit uns (AK30) zusammen", dachte ich noch, hm, meine Beine sind so schwer und ich bin so müde, aber dann kam der Gedanke, "ich bin doch sonst auch immer mit Anke gelaufen - am Altersunterschied hat sich doch gar nichts geändert." Und tatsächlich: im Rennen merkt man nichts mehr von den müden Beinen und ich schaffte den Anschluss. An der Führungsarbeit konnte ich mich allerdings nicht beteiligen und auch für den Sprint 2 Runden vor Schluss reichte es nicht mehr, aber für einen neuen deutschen Rekord.
Eigentlich hatte ich den 40'ern gegenüber ein schlechtes Gewissen, weil wir im letzten Jahr so eine schöne Wechseltruppe organisiert hatten. Die überraschten mich dann aber. Als ich so ein bisschen verloren alleine auf dem Siegertreppchen stand, kam von vorne herzlicher Beifall und da standen Hannah und Volker Bargenquast, Marina und Harry de Vries und Karina Wiechern aus Heide und ich war völlig überwältigt.
Holger hatte für die 5.000 m mit Werner Plaumann verabredet, dass sie die Führung wechseln würden und die letzten 2 Runden jeder für sich laufen würde. Im Rennen hatte sich noch ein Halstenbeker dazu gesellt. Weder er noch Werner konnten dann aber bei Holgers Schlusssprint mithalten. Holger hatte bei diesem Rennen auf die 100'er Rollen verzichtet, die er über die 3.000 m gefahren war, und fand, dass er in den Kurven und im Sprint spritziger war.
Das Fazit der Tage:
Es war wieder ein Vergnügen, auf der hervorragenden Bahn zu laufen. Trotz der 255 Sportler aus 20 Vereinen, die um insgesamt 87 Norddeutsche Meistertitel gekämpft hatten, hatte es recht wenig Stürze gegeben und selbst in den Punkte- und Ausscheidungsrennen reichte die Bahnbreite im Allgemeinen für die hohen Geschwindigkeiten der Sprints aus.
Unsere Kinder haben sich gut gehalten, mehr war in den Rennen bei der hochkarätigen Besetzung nicht drinnen. Wichtig war vor allem, Erfahrungen zu sammeln, zu lernen. Sie haben sich aber gut behauptet und besonders positiv war, dass Kristine nicht aufgegeben hat, sondern weiter gekämpft hat. Bis zu den nächsten Wettkämpfen muss besonders an der Geschicklichkeit gearbeitet werden.
Überrascht hat die besondere Leistung von Kristian, der durch seine Erkrankung Trainingsrückstände hatte und nicht am Kadertraining teilnehmen konnte.
Von Katha Berg, der Bundestrainerin, soll ich allen Kindern ausrichten, dass sie sich freut, wenn die TriAsse auch nach Gera kommen, die neue Bahn sei besonders cool und hätte eine Kurvenüberhöhung wie die Bahnen in Italien. "Bleibt dran," hat sie gesagt, "sammelt Erfahrungen, siegen könnt ihr immer noch!"
(Karin Grön)
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