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VESTAS-Marathon 2004 Nordstrand

23.05.2004

Hajo's Hard-Core-Race in Nordfriesland

(Ein persönlicher Bericht von Karin Grön)

Die Wettervorhersage eine Woche vorher lautete: West 4 - ideale Bedingungen. Doch es kam anders. In der Nacht zum Sonntag fegte ein Sturm den "Strohmann", eine Figur aus schweren Strohtonnen um und die Hindernisse des Schimmelreiterturniers. Auf Nordstrand empfing uns heftiger Wind mit einer arktischen Note - aber auch Sonne und das freundliche und gelassene Orga-Team um Hajo Schlehufer. Im Laufe des Vormittags flaute der Wind ein kleines bisschen ab und es wurde etwas wärmer.
Gegen 10:30 Uhr war der Start für das 2. Rennen, den Marathon für alle. Weil zuvor das Teamzeitlaufen des NordCups gestartet worden war, blieben nicht mehr so viele Teilnehmer wie gewohnt, doch wie jedes Jahr kamen sie wieder aus allen Teilen Deutschlands, aus Dänemark und den Niederlanden. Von den deutschen Topskatern waren z.B. Christian Domscheit, Andreas Andruleit (wollte als 40'er in der Hauptgruppe starten), Christian Gerhardt, Thorben Woelki und Maritje Sell am Start.
Auf dem Außendeich stellten wir dann fest, dass der Wind immer noch heftig wehte. Patty und ich hielten uns relativ weit hinten, Patty, weil ihr in diesem Jahr das Training fehlte und ich, weil ich "locker" fahren wollte. Schon früh konnten wir feststellen, was das "relativ-weit-hinten-skaten" bedeutet: Als wir mit Rückenwind um die S-Kurve zum Deich kamen, wälzten sich bereits 3 Leute am Boden, die die scharfe Kurve nicht bekommen hatten. Die Devise war also Abstand halten. So fuhren wir denn zuerst alleine über den Deich, später hängten sich immer wieder große Männer an unsere 2-Frau-Gruppe. Patty, die dieses Jahr kaum Zeit zum Training hatte und lange an einer schweren Erkältung gelitten hatte, hatte erhebliche Probleme dranzubleiben - aber aufgeben ist nicht ihr Ding. Und so kämpfte auch sie sich am Schluss der Deichstrecke mit aufwärts und über den "Knüppeldamm" landeinwärts.
Spätestens ab der Durchfahrt durch den Binnendeich ging dann das Genußskaten los. Solch eine glatte Strecke findet man bei uns nirgends. Und dann noch raumer Wind! Nach rechts bogen wir dann in die gewundene Strecke ein, die über mehrere Warften führt - auch hier vorwiegend hervorragender Asphalt und viele freundlich klatschende Menschen, die alle begrüßt werden mussten. Etwa nach der Halbmarathon-Marke brach Patty dann ab, aber als ich mich umguckte, fuhr sie hinter einem großen "Kerl" und ich dachte, da hätte sie wenigstens mehr Windschutz als hinter mir und fuhr locker weiter. "Locker" war aber relativ und artete schnell zu einem Kampf aus, denn Rücken und Gelenke waren inzwischen doch etwas angegriffen und spätestens entlang dem Binnendeich biss der Wind wieder zu. Inzwischen hatte ich mit einem Neumünsteraner (thomas?)erstmals einen Wechselpartner im Kampf gegen den Wind. Einer gibt zwar bei schräg einfallendem Wind nicht viel Schutz, aber besser als gar nichts. Wir überholten dann noch eine 4'er-Mix-Gruppe, deren Mitglieder sich wie die Elefanten alle anfassten - allerdings mit den Händen, klar. Die letzten Team-Zeit-Skater?
Das härteste war dann der Weg zurück zum Außendeich. Hier kann man so langsam fahren, wie man will, locker geht nicht! Doch dann Abbiegen in den Fluchtweg entlang der Innenseite. Ab ging die Post! Herrlich - wenn doch die Muskeln nicht schon so weh getan hätten und die Füße! Nicht einmal die am Donnerstag zuvor noch reichlich vorhandenen Schafködel behinderten die rasende Fahrt nicht. Noch einmal eine Steigung bis zur Deichkrone und ein Verholer landeinwärts. Abwärts mit dem Wind wurde man verteufelt schnell. Eine gute Gelegenheit, sich einmal aufzurichten und gut zu recken. Dann mussten wir aber gleich wieder scharf rechts ab. Hier wurde nochmal so richtig deutlich, was man bisher nur so unterschwellig bemerkt hatte: Alles war perfekt gefegt! In solchen Kurven rechnet man mit Steinchen - aber nix. Nun noch mit halbem Wind bis zum Campingplatz - inzwischen hatte ich zu 2 Nordstrandern wieder aufgeschlossen - und auf der Vorwindstrecken entlang den Häusern kam ich - sicher wegen meiner beiden Begleiter - in den Genuß einer spontanen La-Ola-Welle. Die letzten 1.000 m zum Ziel wurden noch einmal hart. Hier konnte ich die beiden Nordstrander auch ein kurzes Stück ziehen, bevor ich sie aufhetzte, ihren Mitinsulanern noch einmal einen schönen Zielsprint zu zeigen.

Eine Stunde und 54 und ein paar Zerquetsche - was für eine Traumzeit ;-) Eigentlich sollte das ja mein letzten Marathon werden - aber vielleicht könnte ich im nächsten Jahr die Strecke ja mal wirklich locker skaten ...

Unsere Männer sind wohl besser durchgekommen, sie waren ja auch gleich richtig losgefahren. Holger berichtete von einer tollen Gruppe, in der auch Dirk Thaysen war, und davon, dass sie alle an einem Strang gezogen, gemeinsam gekämpft und eine tolle Tour gehabt hätten. Besonders stolz war Holger, dass er im Zielsprint doch noch einen anderen 50'er abfangen und in ca. 1:33 h 2. 50'er werden konnte, weil Sprints sonst nicht so seine Stärke waren. Von Günther, Arnold und Willem habe ich nicht gehört, wie es ihnen auf der Strecke ergangen ist. Arnold wurde aber Dritter in der AK60. Patty hatte ihren Windschattenmann wohl doch noch verloren und sich alleine gegen den Wind zum Außendeich quälen müssen, mit ca. 1:57 muss sie dann aber noch ganz gut gekämpft haben.
Gewonnen hatten das Rennen Christian Domscheit vom Gettorfer TV und Maritje Sell aus Harrislee, die inzwischen für Blau-Gelb Groß-Gerau startet.

Das Schönste am Nordstrand-Marathon war wie immer das Engagement der Beteiligten und der Anwohner. Obwohl das Gebiet relativ schwach besiedelt ist, stehen an vielen Stellen freundlich winkende und klatschende Menschen. An jeder Stelle, an der es zu irgendeiner Gefahr kommen könnte, stehen Helfer, die die Vorüberskatenden mit viel Engagement anfeuern. Hier bekomme ich immer den Eindruck eines Miteinanders, der so nirgendwo anders rüberkommt. In Bezug auf die Aufnahme der Veranstaltung bei der Bevölkerung, die Organisation, den Straßenzustand und die Herzlichkeit können die großen, teuren Städtemarathons schon lange nicht mehr mithalten. Hinzu kommt das Naturerlebnis, die grüne und blaue Weite im Wechsel mit den engen Überfahrten über Warften oder Siele und auch die eindrucksvollen Wasserströme, die aus den Sielen herausschießen, die Schafe und die Vögel und vieles mehr.

(Karin Grön)

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