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Rollen auf Gunda Niemann-Stirnemann's Spuren

07./08. Mai 2005

13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt


13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt 2005 13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt 2005

13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt 2005 13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt 2005


Unser Weg nach Süden wurde wie erwartet ein Weg in den Hochfrühling, allerdings nur optisch. Man konnte zusehen, wie die Landschaft grüner wurde, je weiter wir auf unserem Weg nach Erfurt vorankamen. Doch die glänzende Sonne, die das frisch grüne Werratal und die großartigen Aussichten über weite Täler auf den Thüringer Wald beleuchtete, täuschte, es war bitterkalt.
Wegen eines Ärztekongresses hatten wir in der Stadt keine Unterkünfte bekommen und mussten erst einmal um Erfurt herum fahren. Unser Hotel, der Töpferhof in Meckfeld (www.toepferhof-meckfeld.de) , einem kleinen Dorf bei Erfurt, erwies sich als ein kleines, urig renoviertes Fachwerkensemble. Bei unserer Ankunft saß im gemütlichen Hof der Gaststätte eine Gruppe Männer, die auf der traditionellen Himmelfahrtswanderung waren. Wie viele andere, die wir auf der Fahrt in die Stadt hinein sahen, mussten sie von der Familie eingesammelt werden. Neben wandernden Männergruppen begegneten uns Trecker- und Pferdegespanne, geschmückt mit Busche Mai, bestückt mit Tischen und Bänken und Getränken. In der Stadt hingen Plakate, die den Himmelfahrtstag zum Familienwandertag erklärten. War wohl nicht überall angekommen.

In Erfurt selbst merkten wir die Kälte nicht so. Uns blieb noch ein guter Teil des Nachmittags, um die wunderschöne Stadt zu erkunden. Wir wanderten über die Krämerbrücke, eine Brücke, die beidseitig mit kleinen, alten Häusern bebaut ist - in den Erdgeschossen Läden, die Töpferwaren, Holzsschnitzereien, Antiquitäten; Kunst und lecker gefüllte, gegrillte Ciabatta verkauften. Im Haus der Stiftung Krämerbrücke kann man in einen Brückenpfeiler hinabsteigen und sich das restaurierte erste Stockwerk ansehen und wie die ehemaligen Bewohner durch die kleinen Fenster auf das Treiben auf der Brücke hinunterschauen. Die Vielfalt der Fassaden in der gesamten Altstadt ist unglaublich. Ein sich teilendes Flüsschen mäandert durch das Stadtgebiet. Anwohner und anliegende Gaststätten nutzen den Ausblick mit überhängenden Balkonen und Anbauten. Holger und Kristine übten Skateschritte auf den vielen Stufen zum Erfurter Dom. Dort wurde gerade die Abendandacht abgehalten. Auf die Zitadelle schafften wir es nicht mehr, die Nielsen's erzählten uns aber, dass es ihnen dort oben sehr gefallen hätte. Der große Domplatz und die dahinter liegende Befestigungsanlage sind ein interessanter Kontrast zur engen Altstadt, durch die unablässig die Straßenbahnen sirren. Vorsicht gehört hier zum Sightseeing. Ein leckeres Essen im Ristorante Paganini rundete den Tag ab. Zum Glück waren wir gewieft genug gewesen, einen Tisch zu bestellen, denn der Andrang war groß. Hier geht man offensichtlich viel öfter essen. Kein Wunder, halten sich die Preise bei bester Qualität und Service doch weit hinter denen in Flensburger Restaurants zurück.

Wieder im Töpferhof setzten wir uns zu Familie Nielsen, die es sich nach dem Essen im Kaminwintergarten gemütlich gemacht hatte.

Den nächsten Morgen nutzten wir für weitere Besichtigungen der Stadt und Einkäufe und gegen 15:00 fuhren wir zum Training in die Gunda-Niemann-Stirnemann-Halle.
Angesichts der Kälte und der Gewitterschauer, die wir am Morgen schon erlebten, waren wir froh, dass der Wettkampf in der Halle stattfinden sollte.
Wie erwartet, war der große Kurvenradius gewöhnungsbedürftig. Auf dem Eis hatten Holger und ich hier im Vorjahr einen Wettkampf bestritten, doch auf Rollen ist alles anders. Der glatte Beton gibt den Rollen in den Kurven nicht viel Halt und merkwürdigerweise hatte ich anfangs jeden Laufs das Gefühl, als klebten die harten Rollen. Die spitzen PC-Vane tauschten dann alle gegen Matter- oder Hyperrollen aus, denn beim Abdruck schienen sie wegzuschmieren.

Trotzdem machte das Training viel Spaß, immer wieder zogen wir unsere Runden, traten zum Sprint an und flugs waren 2 Stunden vergangen. Dann noch ein bisschen Klönen mit den Freunden aus Halle, Heide, Halstenbek und all den vielen anderen Orten, die "rolltechnisch" zu Norddeutschland gehören. Essen wollten wir dieses Mal im Töpferhof, wo wir auf unseren Landespräsidenten und Schiedsrichter Bernd Kahlo mit seiner Frau Angela trafen.

Früh ging es am nächsten Morgen los, denn die Sprint-Einzelstarts, die es für alle Altersklassen nur bei dem Norddeutschen Meisterschaften gibt, kosten viel Zeit.
Kristine schaffte die 100 m mit 14,40 gute 4 Sekunden schneller als bei der letzten NDM. Auch Finn verbesserte sich von 18,447 auf 15,95 Sekunden.

13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt 2005 13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt 2005

13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt 2005 13. Norddeutsche Meisterschaft in Erfurt 2005

Jens fiel wieder durch seinen guten Start auf - am Übergang zum Rollen muss noch gefeilt werden - mit 26,55 wurde er 6. Da ist noch viel Potential, das sicher auf den Kaderlehrgänge ausgebaut werden wird. Auch Kristian wurde 6. in seiner AK - mit 33,63 ist er zweitschnellster Flensburger über diese Strecke. Sein Trainingspartner aus Halstenbek, Timm Maasberg, wurde 2. - mit nur 19 Hundertstel Sekunden weniger. Das zeigt die enorme Leistungsdichte bei den 13jährigen.

:: Gesamt-Vereinsrekorde

Mir hingen die vielen Trainingsrunden noch in den Beinen, mit der daraus resultierenden grottenschlechten 300 m-Zeit von 41,22 sek (4 ½ sek mehr als mein Deutscher Rekord vom letzen Jahr) war es mir fast peinlich, die Goldmedaille in der AK 50 entgegen zu nehmen. Da war es mir auch kein großer Trost, dass ich wieder für meinen Laufstil gelobt wurde. Holger hingegen schaffte mit 35,91 sek seine persönliche Bestleitung, der ihn zufrieden machen konnte. Und bei Kristian leuchteten die Augen, als er hörte, dass er Holger um 2 Sekunden geschlagen hatte.
Die Aktivenklasse war gut besetzt, viele Sprinter hatten sich extra wegen der Kurzstrecken angemeldet, auch wenn sie wegen ihrer Teamverpflichtungen am nächsten Tag über die 25 km von Berlin starten mussten. Die meisten hatten allerdings trotz des großen Radius Probleme, viele strauchelten leicht oder mussten die Kurve durchrollen. Die Spitzenleistung des Tages schaffte Rick Baumann, Berlin, mit 27,65 Sekunden. Schnellste Frau war Tina Strüver mit 30,60 Sek. Der Schiedsrichter bestätigte, dass die Zeiten durchgängig schlechter waren als woanders und merkwürdigerweise als bei einem anderen Wettkampf in derselben Halle 2 Wochen vorher. Tony Deubner und Tina Strüver dominierten die jeweiligen Punkterennen über 5.000 bzw. 3.000 m. Bei den Herren ließ Sören Harder aus Halstenbek Tony aber nicht frei wirken. Immer wieder fuhr er, wie auch auf dem Ausscheidungsrennen am nächsten Tag, überraschende Angriffe - in beiden Fällen waren Vizemeisterplätze sein Lohn. Beim Ausscheidungsrennen der Damen über 5.000 m schafften es nach Fernbleiben von Tina Strüver zwei Schleswig-Holsteinerinnen aufs Treppchen: Simone Kohls aus Gettorf wurde 2. und Mirja de Vries aus Halstenbek wurde 3.

Kristine und Finn erreichten die Finale ihrer Sprintläufe leider nicht. Kristine schaffte beim 300 m Massenstart mit dem 9. Platz (38,90 Sek.) aber eine gute Platzierung bei insgesamt 17 Teinehmerinnen und Finn brauchte für das erste 1.000 m Rennen seines Lebens 2:27,10 Minuten (Platz 7).

In der Halle war es furchtbar kalt, dank geöffneter Türen an beiden Seiten der Halle. Für bessere Luft sorgten sie bei der Kälte draußen leider kaum. Bei den anschließenden 1.500 bzw. 3.000 m Rennen erreichten Jens und Kristian jeweils die 5. Plätze. Holger und ich liefen alleine für uns, nur zufrieden, weil wir die Vorjahreszeiten verbessern konnten.

Wir waren froh, als wir aus der kalten zugigen Halle herauskamen und sahen, dass im Wintergarten des Töpferhofes ein Feuer im Kamin loderte. Wir elf waren die einzigen Gäste. Der Raum war wie ein großes Familienwohnzimmer, man wechselte die Plätze zum Schnacken oder auf die Bank vor dem Kamin. Draußen tobte ein kalter Sturm.

Sonntagmorgen hatten Finn und Kristine ihre Gewandheitsläufe zu überstehen. Beide schlugen sich ganz gut, aber wenn man die Kinder aus den großen Vereinen, wie Äffchen um die Pylone sprinten, rückwärts und vorwärts springen sah, dann war klar, sie waren zu langsam für die Konkurrenz.

Dann mussten sich Jens und Kristian der Konkurrenz in den Ausscheidungsrennen stellen. Jens kam schlecht vom Start weg, arbeitete sich aber immer weiter nach vorne, überstand alle Ausscheidungen und kam als 5. in das Ziel.
Kristian ging vom Start an nach vorne und die anderen ließen sich gerne von ihm ziehen. Als sie dann bei drohender Ausscheidung an ihm vorbeizogen, war er eingeklemmt, landete ganz hinten, kämpfte sich noch einmal ein paar Positionen nach vorne und schaffte es.
Dann fiel er jedoch ab. Zum Glück war einer noch kaputter als er. Der holte jedoch angesichts der letzten Ausscheidung noch einmal auf, und Kristian musste alle Kräfte aufbieten, um vor ihm über die Linie zu kommen, und dann noch die letzten 2 Runden zu überstehen. Auch er beendete das Rennen als 5ter. Durch seine Führungsarbeit hatte er den anderen gezeigt, dass mit ihm zu rechnen ist, letztlich fehlt aber noch ein wenig die Ausdauer - davon braucht man umso mehr, wenn man erstmal aus dem Windschatten heraus ist. Holger sagte den Jungs aber, dass er stolz auf sie ist, weil sie wieder ihr Bestes gegeben und nicht aufgegeben hatten. Auch Kristine wurde gelobt, weil sie in ihrem langen Wettkampf sehr schön gelaufen war und noch einige Gegnerinnen überholt hatte. Dasselbe galt für Finn, der erst seit kurzem auf Speedskates gewechselt war und trotz der Umstellungsprobleme super gelaufen war.
Die Seniorenrennen sollten erst am Nachmittag nach Siegerehrungen und Mittagspause stattfinden. Mit Warten auf die anschließende Ehrung wären wir einfach zu spät nach Hause gekommen, deshalb entschieden wir uns für die Abmeldung. Das fiel uns um so leichter, als wir beide keine Gegner hatten. So kamen die Kinder jedenfalls schon um 20:00 Uhr und nicht gegen Mitternacht nach Hause.

(Karin Grön)

:: Ergebnisse der 13. Norddeutschen Meisterschaften 2005

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