Skate-Team-Flensburg
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Am frühen Nachmittag kamen wir Montag in der Skate-Arena in Jüterbog an. Die bestgebaute Skate-Anlage des Landes war vorbereitet, aber fast ausgestorben. Wir wollten schon umkehren, da sahen wir die Stände von Powerslide und Mogema. Jose, den viele von Euch ja noch aus Flensburg kennen, wurde herzlich begrüßt und die Powerslide-Leute auch. Hier konnte ich Holger in den nächsten Tagen immer wieder finden, wenn ich nicht wusste, wo er war.
Immer mehr Bekannte trudelten ein. Immer mehr Sportler liefen herum oder skateten auf dem Aufwärmweg um die Bahn. Die selbst war allerdings noch von Freizeitskatern okkupiert.
Um 15:00 Uhr gingen dann die Wettkämpfe los. Die Eröffnung war bereits am Sonntag gewesen, deshalb ging es gleich zur Sache. Zuerst mit den 300 m Sprints, bei denen sich jeweils 12 für das abendliche Finale qualifizieren konnten. Eine Neuregelung, die etwas unverständlich erscheint, weil sowieso jeder gegen die Uhr läuft und nur die Bestzeit zählt.
Dann gab es erst einmal Pause bis 19:00 Uhr zu den 300 m Finals. Die Wettkämpfe verliefen überraschend. Jana Gegner hatte keine Chance auf eine Platzierung, am besten schnitt noch Matthias Schwierz als Vierter ab. Alle warteten auf den Start von Gregorio Duggento. Erst das Bein weit nach hinten, dann Oberkörper vor, nach hinten und die Explosion. Der Körper hebt ab und man erkennt anfangs die einzelnen Schritte gar nicht. Duggento war dann auch noch einer der wenigen, die schnell waren und trotzdem in den Kurven nicht rollen lassen mussten.
Aus deutscher Sicht waren die anschließenden 15.000m Ausscheidungsrennen trotz großer Publikumsunterstützung eine Enttäuschung. Die deutschen Skater wirkten im zum Teil unfit und schienen kein großes Selbstvertrauen zu haben. Alleine Michi Neuling überzeugte bei den Damen. Bei den Herren gab es nicht einmal die beliebte "Toni-Show" - mit spektakulären Sprints und Wechseln durch das Feld.
So freuten wir auf den nächsten wettkampffreien Morgen. Den nutzten wir für eine Tour über die 42 km Strecke des Flaeming-Skate. Die Sonne schien, die Luft war noch etwas kühl und wir waren anfangs fast alleine auf der Strecke. Trotz der weiten, eben scheinenden Landschaft schlängelt sich die Skatestrecke sehr abwechslungsreich durch Felder und kleine Wäldchen. Häufig sind kleine Brücken zu überfahren, mehr oder minder scharfe Kurven zu nehmen und kleinere und größere Anstiege zu bewältigen. Wir hatten jedenfalls den Eindruck, die falsche Richtung gewählt zu haben, denn es ging IMMER gegen den Wind und bergauf. Wir wurden aber reichlich entschädigt, denn wo kann man schon sehen, wie groß Störche tatsächlich sind und wie riesige Sonnenblumenfelder aussehen. In den Gärten und auf den Feldern arbeitende Menschen wurden wie entgegenkommende Skater und Radfahrer mit einem "Moin" begrüßt und insbesondere die Einheimischen grüßten freundlich zurück. Aus einem Garten schallte sogar ein "Moin, Moin" zurück.
Da Holger die Strecke "gemütlich" skatete, merkte ich ab der Hälfte meine Muskeln schon heftig. Besonders Anstiegen kann er ja nicht widerstehen. Aber es ist schon toll, mit so wenigen Unterbrechungen immer schön gleichmäßig und auch mit ausholenden Bewegungen skaten zu können. Denn Unterbrechungen wie Dörfer oder gefährliche Abfahrten und Vorfahrtsstraßen sind selten und meist gut ausgeschildert. Ausnahmen sind 2 Abfahrten ins Dunkle, die wir zum Glück vorsichtig angefahren hatten. Die eine endete an einer Vorfahrtsstraße mit zwei Eisenbügeln davor und die andere führte in ein größeres Dorf mit Verkehr und einem scharfen Strecken-Knick. Wie es so ist, kann man beim "Gemütlichskaten" ja nicht alle Schilder im Auge behalten und so landeten wir plötzlich auf einer Buckelpiste, die an einem Flugplatz vorbei zur Kartbahn in Altes Lager führte. Das war nur ein Zubringer. Aber so konnten wir sehen, wo die Sportler ihre Straßenwettkämpfe auszutragen hatten. Sie taten uns angesichts der engen und nach außen abfallenden Spitzkehre schon vorweg leid.
Aber wir sahen auch ein Flugplatz-Cafe. Im Flugzeugbunker gab es Kaffee und Kuchen, wenn stimmt, was wir im Vorbeiflitzen und Ausgleichen der Bodenunebenheiten wahrnahmen. Dann entdeckten wir auch den korrekten Abzweiger nach Kloster Zinna, unserem Wohnort. Und es ging wieder weiter - totally smooth - bis wir auf der Bahn ankamen. Jose war schon da und war so nett, mir meinen Schuh zu verformen, denn ich konnte die Schmerzen am Knöchel kaum noch aushalten, die mir das in der letzten Zeit gewachsene Überbein zufügte. Ein paar Runden über die Bahn gedreht, und dann ging es weiter nach Kloster Zinna, wo wir Reinhard Wagner und Family beim Essen in unserer Pension antrafen. Wir ließen uns anstecken und stellten fest, dass das Essen schmackhaft und preiswert ist. Leider ist Kloster Zinna so konsequent mit Kopfsteinen gepflastert, dass wir das Auto hatten nehmen müssen, um zur Strecke zu kommen. Der einzige Nachteil der Gegend.
Am Nachmittag gingen die Wettkämpfe dann mit den 1.000 m Vorläufen weiter. Um die Sache abzukürzen: als einzige überstand Tina Strüver aus Halle mit kämpferischem Einsatz alle Vorläufe und konnte dann in den abendlichen Finals den 4. Platz erringen. Das gelang Jana Gegner nicht, die allerdings mit Elma de Vries und Estelle Flourens einen chaotischen Vorlauf erwischte und im Ziel übersprintet wurde. Die Herren kamen zwar in die Viertelfinale, aber nur Daniel Zschätzsch schaffte es auch in den abendlichen Endlauf. Hier fielen die Holländer besonders auf: Karlo Timmerman durch einen furiosen Sprint von hinten ganz nach vorne kurz vor dem Ziel und Ronald Mulder, wie zuvor Elma de Vries durch besonders unsportliches Gerangel. Mulder flog sogar aus dem Halbfinale, weil er die dritte Verwarnung kassierte. Die Leistungen der Franzosen waren bei Frauen und Männern überragend. Das zeigte sich auch bei den anschließenden 10.000 m Punkte- und Ausscheidungsrennen. Auch hier wurden die anfeuernden deutschen Fans nur durch wenige mutige Leistungen der Sportler belohnt. Und so kassierten die anderen Skater öfters den verdienten Applaus der Anwesenden. Michi Neuling überzeugte allerdings auch hier wieder, sie schaffte in dem schweren Rennen den vierten Platz.
Die Moderation wurde übrigens professionell von Benno Zschätzsch und Uwe Berg übernommen, die auch fachfremde Zuschauer in einem Frage- Antwortspiel in die Regeln einführten. Gewürzt wurde das ganze mit Interviews der Sieger - es schien als würde Benno alle europäischen Sprachen beherrschen. Zumindest konnte er Hinweise an die Sportler nicht nur auf Englisch oder Französisch formulieren, sondern auch auf Italienisch und Spanisch.
Was die Wettkämpfe anging, so waren sie insgesamt weniger mitreißend: wir hatten den Eindruck, in Groß-Gerau beim Speedkriterium schon packendere Kämpfe gesehen zu haben.
Und so waren wir denn am nächsten Morgen zwar unglücklich, wegen des regnerischen Wetters auf unsere Rundfahrt verzichten zu müssen, aber nicht mehr bereit, unsere Abfahrt wegen der eventuell nachmittags stattfindenden 500 m - Vorläufe weiter hinauszuzögern. Wie wir hinterher hörten, konnte Daniel Zschätzsch dann über diese Strecke Bronze erringen. Aber das hätten wir eh nicht mehr erlebt, denn abends hätten wir spätestens nach Hause fahren müssen.
Kaum waren wir allerdings abgereist, drehten die Deutschen auf. Es schien, als streiften sie ihre Verspannungen ab und begannen, Medaillen zu gewinnen. Noch am Abend erreichte Daniel Zschätzsch den dritten Platz beim 500 m-Finale.
Auf der gefährlichen Kartbahn, auf der Michi Neuling 2 mal stürzte, gewannen die Mädels Tina, Jana und Sandra dann endlich Gold im Staffellauf. Und Matthias Schwierz ergänzte das Paket mit Silber im 200 m Sprint.
Und dann wurde es sogar noch einmal Gold beim Marathon. Michi Neuling war "auf Anraten" ihrer Trainerin Katha Berg auf dem Zielsprint in Luckenwalde "einfach" vorbei gelaufen und immer weiter vorbei. Sie war - wie alle - überglücklich.
Bilanz: 2 Gold, 1 Silber, 1 Bronze.
Vollständige Berichte und Ergebnisse aus Jüterbog, siehe www.driv-speedskating.de.
(Karin Grön)
© TriAs Flensburg